Article Vivadrina – October 31st, 2005
Kansas State University inmitten der USA im Jahre 1999. Eine Universität, die vor allem bekannt durch die Lehre im aggraischen Bereich ist, bekommt ein Angebot eines reichen Einheimischen. Er stellt der Universität 250.000 Dollar zur freien Verfügung. Was macht die Universität nun fernab von der Finanzwelt der Ostküste? Sie überlegt einen Kurs an der Universität zu implemetieren, indem Studenten unter der Obhut eines Professors ein Portfolio im Wert von 250.000 Dollar verwalten. Es werden konkrete Regeln zum Umgang mit dem Geld aufgestellt, die aus langer Erfahrung die Verlustrate minimieren. Beispielsweise müssen immer 20% des Geldes in Form von Cash zur Verfügung stehen. Außerdem darf nicht mit spekulativen Derivativen gehandelt werden. Die Anlagemöglichkeiten beschränken sich lediglich auf Anleihen und Aktien.
Der Kurs wurde dann folgender Maßen umgesetzt: Der Studienkurs teilt sich in verschiedene Projektgruppen, die unabhängig voneinander ausgewählte Anlagewerte untersuchen. Das bedeutet beispielsweise, dass eine Aktiengesellschaft von mehreren Personen auf „Herz und Nieren“ überprüft wird. Daraufhin bereitet die Gruppe einen Vortrag vor und präsentiert diesen der ganzen Studiengruppe, welche dann per Abstimmungsverfahren entscheidet, ob diese Aktie gekauft wird, oder nicht. Der Professor steht diesem Kurs beratend zur Verfügung, sowie einige externe Kräfte aus der Wirtschaft. Sobald der Studienkurs eine positive Entscheidung getroffen hat, setzt der Professor die Transaktion um.
Kansas State University im Jahre 2005. Nach Aussage eines Professors der Universität liegt der aktuelle Wert des Depots bei ungefähr 360.000 Dollar. Aber nicht nur der Wert des Depots hat sich vergrößert, vor allem die Bekanntheit der Universität ist enorm in den Staaten gestiegen. Sie ist nicht länger nur bekannt, wenn es um Landwirtschaft geht. Die Studenten, die diesen Kurs besuchen, gehen zu sehr großen Teilen nach New York, um dann bei den besten Investmentbanken der Welt zu arbeiten.
Europa-Universität Viadrina im Jahre 2005. Der Fachschaftsrat der Wirtschaftswissenschaften hat sich an die Arbeit gemacht, einen solchen Kurs auch an der Viadrina zu realisieren. Die Kursmaterialen und Regularien aus Amerika liegen bereits vor. Zudem wird derzeit von der Justiziarin ein Rechtsgutachten erstellt, welches klären soll, ob für ein derartiges Projekt überhaupt Studierendengelder verwendet werden dürfen. Sollte dem nicht so sein, gilt es das Portfoliobudget vollständig aus Mitteln von Unternehmen und Privatpersonen zu akquirieren. Auf eine erste Anfrage hin, stellt die Justiziarin diesem Projekt gute Chancen in Aussicht, da es laut des brandenburgischen Hochschulrahmengesetzes der Lehre diene. Der Fachschaftsrat steht zudem in engem Kontakt mit dem Dekanat der wirtschaftwissenschaftlichen Fakultät und einem Professor unserer Universität, der diesem Projekt positiv gegenübersteht und eine mögliche Kooperation signalisiert hat.

